*milongaverhalten in argentinien

Milonga nennen wir in Argentinien die Tangoclubs, zu denen wir zum Tanzen hingehen. Die Prácticas sind weniger formell als die Milonga. Es gibt hier einen Lehrer, der einem hilft, falls notwendig; im Allgemeinen übt aber jeder für sich allein. Es ist normal, sich zu irren und mitten im Lied stehenzubleiben, da die Práctica ein Zwischending zwischen Clase (Unterricht) und Milonga ist. Die Prácticas finden meistens vor den Milongas statt, die normale Uhrzeit für eine Práctica ist von 20 Uhr oder 21 Uhr bis 24 Uhr, während die Milonga zwischen 23 und 24 Uhr anfängt und bis fünf Uhr morgens dauert.

In den Milongas unterteilt man die Tänze in bestimmte musikalische Einheiten, “tandas” genannt. Jede tanda besteht aus 4 oder 5 Musistücken, die vom gleichen Orchester gespielt werden. Die tandas werden durch ein nicht tanzbares musikalisches Fragment beendet, welches man Cortina nennt. Tango, Milonga und Vals Criollo wechseln sich in einem bestimmten Rhythmus ab, der von den jeweiligen Gebräuchen in den Milongas abhängt. Manchmal wird auch eine tanda mit tropischer Musik oder Jazz gespielt, um dann wieder zum Tango zurückzukehren.

Will man sich zum Tanzen auffordern, gibt es den Brauch, dass man sich von Weiten anschaut und mit einem leichten Kopfnicken ein gemeinsames Einverständnis herstellt, der Mann hält an, die Dame geht in Richtung Tanzfläche und der Herr bewegt sich dann in Richtung Dame. Nie darf sie auf ihn zugehen! Dieser Brauch stammt noch aus der Epoche, als die Frauen von ihrer Mutter zur Tanzveranstaltung begleitet wurden, und die Männer sie daher aus der Ferne zum tanzen auffordern mussten. Es kann sein, dass der cabeceo vor den 30er Jahren benutzt wurde, aber wahrscheinlich nur um eine Frau aufzufordern die in Begleitung war. Dieser Brauch setzte sich auch durch, um die mündlich ausgesprochene Ablehnung einer Tanzaufforderung zu vermeiden. Viele Frauen tun dann so, als hätten sie nichts gesehen und fahren fort, mit einem indifferenten Blick in den Salon zu schauen. Aus diesem Grunde ist dieser Kodex sehr angenehm und wenig kompromittierend. Im allgemeinen spricht man nicht während man tanzt und wir passen immer auf, uns nicht auf der Tanzfläche gegenseitig zu kreuzen, während wir entgegen den Uhrzeigersinn tanzen.

Wenn wir am Rand der Runde anfangen (bei den Tischen), müssen wir diese Position weiterhin beibehalten. Diejenigen, denen es leichter fällt sich in der Runde fortzubewegen, tanzten in der Regel am Rand auf der Höhe der Tische, das war ursprünglich die Möglichkeit, um vor dem nichttanzenden Publikum zu glänzen und zu präsentieren. Diejenigen, die noch etwas größere Schwierigkeiten haben, sicher durch die Runde zu führen, tanzen in der Mitte, weil sie sich so weniger fortbewegen müssen.


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